Das Wandern wird des Schülers Lust
Landkreis Mayen-Koblenz geht bei innovativem Projekt „Schulwandern neu erleben“ voran –
Traumpfade statt Achterbahn-Park
Raus aus der Klasse und rein ins Wandervergnügen! Mit ihrem Projekt „Schulwandern – Schüler fürs Wandern begeistern“ setzt sich die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz dafür ein, den Wandertag wieder im ursprünglichen Sinn zu nutzen – statt ihn im Kino oder Achterbahn-Freizeitpark zu verbringen. Regionaler Partner der Schulbehörde ist der Landkreis Mayen-Koblenz über die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) und die Vulkanpark GmbH. Bei der nichtalltäglichen Lehrerfortbildung, die jetzt Premiere im Kreis hatte, waren 34 Lehrer aus ganz Rheinland-Pfalz und auch dem Saarland mit von der Partie.
Neben den Leuchtturmprojekten „Traumpfade im Rhein-Mosel-Eifel-Land“ und „Vulkanpark“ wurden den Lehrern weitere Besonderheiten des Kreises vorgestellt, die einen ereignisreichen Wandertag garantieren. Drei Tage lang erlebten die Pädagogen auf Schusters Rappen Highlights der Region wie den höchsten Kaltwassergeysir der Welt, sie stiegen in die 32 Meter tiefen unterirdischen Lavakeller in Mendig hinab, gossen und formten im Hochofen der Sayner Hütte, erfuhren vieles über Wein und Wetter am Traumpfad „Hatzenporter Laysteig“ oder machten eine Reise ins Mittelalter auf der Ehrenburg in Brodenbach.
Die Idee hinter dem mehrtägigen Modellseminar, das die Touristiker der Remet aus bereits bestehenden pädagogischen Angeboten zusammengestellt haben: Lehrer von neuen Zielen zu begeistern, damit diese ihre Begeisterung auf die Schüler übertragen. Denn: „Schulwandern lässt sich nicht verordnen“, so Hermann-Joseph Löhr, Regierungsschuldirektor der ADD, der den Ball ins Rollen brachte, und die Wander-Fortbildung deshalb als „Motivationsseminar“ bezeichnet. Löhr ist sich sicher, dass sich Schüler über spannende Projekte fürs Schulwandern begeistern lassen.
Dessen ist sich auch Landrat Dr. Alexander Saftig sicher, der den Lehrern in der Wabelsberger Wacholderhütte in Langscheid die neuartige Fortbildung gemeinsam mit Löhr vor Ort vorstellte. „Wenn das Angebot stimmt, stellt sich der Spaß am Wandern rasch ein“, so Saftig, der voll und ganz hinter der Idee steht: „Wir haben im Kreis über das Erfolgsprojekt Traumpfade ein erstklassiges, ausgezeichnetes Wanderangebot von 27 Rundwegen in Premiumqualität, die durch die Wacholderheiden verlaufen, die Unesco-Welterbestätten Rhein und Limes verbinden, durch die steilsten Weinbergslagen der Mosel führen oder die Vulkane der Osteifel erschließen und damit Wandern mit allgemeinen Bildungsthemen optimal und spannend verbinden.“
Denn auch wenn Fachliches wie Biologie, Erdkunde, Naturkunde, Geschichte oder Sozialkunde miteinbezogen wird, „doziert“ werden soll beim Schulwandern auf keinen Fall. Das erlebten die Pädagogen schon am Vormittag des ersten Fortbildungstages, als es in der Wacholderheide am Traumpfad „Wacholderweg“ darum ging, aus Fundstücken wie Zapfen und Steinen Naturkunstwerke zu legen, und mit dem Kescher auf Heuschreckenfang zu gehen. „Wenn aus den Glaskästen die Tierchen dann wieder in die Freiheit entlassen werden, bleibt das haften und hinterlässt Spuren“, weiß der ehemalige Sonderschullehrer und jetzige Wanderführer Gerhard Krämer. Als einer von drei Wacholderwarten begleitete er die Lehrer: „Ein solcher Aufenthalt in der Heide soll den Schülern vermitteln, dass es nicht nur eine virtuelle Welt gibt, die sie täglich umgibt.“
Das Interesse der Lehrerschaft an dem Kinder-Kontrastprogramm zu Playstation und Co. jedenfalls ist groß. So gab es weit mehr Anmeldungen für das Modellseminar als letztlich berücksichtigt werden konnten. Mit dabei war auch die in Winningen unterrichtende Grundschullehrerin Katrin Hunz, die Schulwandern für sehr wichtig hält. „Die Kinder lernen heute Wald, Felder und Wiesen nicht mehr so kennen, wie es für uns noch selbstverständlich war“, so die 51-Jährige. Regierungsschuldirektor Löhr jedenfalls konnte bei der Projekt-Vorstellung auch verkünden, dass das neue Angebot ab 2012 verstetigt wird und als ein-, zwei- und dreitägige Fortbildung in verschiedenen Regionen zur Auswahl steht. Gute Aussichten also, dass künftig alle fünf möglichen Wandertage im Schuljahr auch wieder umgesetzt werden.
Tipp für Schulklassen im Jahr 2011
Wettbewerb „Wanderfreudigste Schulklasse“
Die beiden Zeitungen „Trierischer Volksfreund“ und „Rhein-Zeitung“ loben einen Pokalwettbewerb für die wanderfreudigste Schulklasse aus. Diejenigen drei Klassen, die im Zeitraum vom 08. August bis zum 11. November 2011 die meisten Kilometer zurücklegen, erhalten Pokale. Je nach Gebiet kontrollieren Westerwaldverein, Eifelverein oder Hunsrückverein. Hauptpreis ist ein dreitägiger Aufenthalt in einer Jugendherberge nach Wahl für die ganze Klasse.

Die an der Wander-Fortbildung im Kreis teilnehmenden Lehrer – mit Landrat Dr. Alexander Saftig (1. Reihe, 5. von rechts) – kamen aus ganz Rheinland-Pfalz und sogar aus dem Saarland. Fotos: Monika Eschborn
Seminar:
Erlebnis Vulkanpark und Traumpfade im Rhein-Mosel-Eifel-Land
Tag 1: In der Vulkanischen Osteifel
- Traumpfade und Wacholderheiden mit der Wacholderwacht Osteifel (www.wacholderheiden.de, www.traumpfade.info)
- Römerbergwerk Meurin mit der Vulkanpark GmbH (www.vulkanpark.com)
- Lavakeller mit der Vulkanpark GmbH (www.vulkanpark.com)
Tag 2: Unterwegs am Rhein
- Erlebniszentrum Andernach mit Geysirsprung (www.vulkanpark.com)
- Sayner Hütte in Bendorf-Sayn mit Former- und Gießlehrgang (www.sayn.de)
- Kletterwald Sayn (www.kletterwald-sayn.de)
- Nachtwächterführung in Rhens (www.rhens.de)
Tag 3: Die Mosel erkunden
- Reise ins Mittelalter auf der Ehrenburg in Brodenbach (www.ehrenburg.de)
- Erkundung des Traumpfads Hatzenporter Laysteig mit Alfred Gietzen (www.traumpfade.info)
- Besichtigung des Hof Arche in Naunheim (www.hof-arche.de)
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