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Einer der reizvollsten Wanderwege Deutschlands.
Ein Probelauf auf dem „Rheinsteig“

von Michael Schwippert

Die Messlatte liegt hoch: Mit dem Rothaarsteig im Sauerland und dem Rennsteig in Thüringen wird der Rheinsteig ab September 2005 das Spitzen-Trio der Wanderwege in Deutschland bilden. Der Rheinsteig führt von Bonn bis Wiesbaden auf der rechten Rheinseite und ist durch eine abwechslungsreiche, naturnahe Wegeführung mit einem hohen Anteil alter Wingerts- und Trampelpfade und atemberaubender Ausblicke geprägt. Durch die natürliche Bodenbedeckung, die Steigungen und Abstiege, die zahlreichen am Weg liegenden kulturellen Highlights sowie die immer wieder kehrenden Abschweife in die ruhigeren Waldpassagen spricht der Rheinsteig vor allem die naturbewussten und sportlich ambitionierten Wanderer an. Auf 320 Kilometer verläuft der Rheinsteig durch die vielseitigen Landschaften des Rheintals: Vom Siebengebirge vulkanischen Ursprungs zwischen Bonn und Bad Honnef durch das Mittelrheintal mit seiner hohen Burgendichte zwischen Linz und Rüdesheim (darin inbegriffen das UNESCO-Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal) bis hin zum Rheingau, dessen Weinlandschaft sich bis Wiesbaden erstreckt.

20 Kilometer verläuft der Rheinsteig durch den Landkreis Mayen-Koblenz. Michael Schwippert hat einen Probelauf gewagt und für den 18 Kilometer langen Streckenabschnitt von Bendorf-Sayn nach Urbar die Wanderschuhe geschnürt.

Die Wanderung startet im fürstlichen Schlosspark in Bendorf-Sayn. Auf Schusters Rappen geht’s die Außentreppe des Schloss-Restaurants hinauf zur Burg Sayn mit Falknerei, Burgkapelle und Burgschänke (Mittwoch-Sonntag: 11.30-18 Uhr, Montag & Dienstag: Ruhetag). Von hier genießt man einen fantastischen Ausblick über das gesamte Neuwieder Becken. Weiter geht´s den Waldweg hinauf. Das Rheinsteig-Logo -ein geschwungenes weißes „R“ auf blauem Grund- weist dem Wanderer den Weg. Die Wegeführung ist recht anspruchsvoll. Steige, Pfade, Aufstiege, Abstiege wechseln einander ab. Ohne festes Schuhwerk ist hier nichts zu machen. Nach einer Weile erreichen wir den Pfadfinder-Zeltlagerplatz im Brexbachtal. Eine Infotafel weist auf dessen Gründer Häns Brog hin. Über eine kleine Brücke queren wir den Brexbach und wandern steil aufwärts, bis wir den Limes mit Römerturm erreichen. Hier auf der markanten Höhe des Pulverberges, der nach Westen hin steil in das Tal des Brexbaches abfällt, bietet der Römerturm eine hervorragende Fernsicht. Von da bot sich dieser Berg als Standort für einen Wachposten schon in römischer Zeit an. Der Steinturm hatte außen 4,60 Meter lange Seiten und eine Mauerstärke von 80 cm. Rund um den Turm verläuft ein Ringgraben. Die Fundamente dieses Turmes wurden konserviert und blieben erhalten. In etwa 10 Meter Abstand wurde im Jahr 1912 ein Aussichtsturm in der Bauweise des Limeswachposten errichtet.

Weiter geht’s über den Waldlehrpfad bevor wir nach ca. 90 Minuten die Waldgaststätte Meisenhof mit seinem Biergarten erreichen. Über eine Hochfläche geht’s hinab in das Wenigerbachtal, wir tangieren Bendorf und das Hedwig-Dransfeld-Haus, biegen links ab in die Straße „Im Großbachtal“. Am Reiterhof queren wir die L 307. Aus der Ferne erkennen wir den Kirchturm von Weitersburg.

Nach Unterquerung der Autobahn A 48 biegt der Rheinsteig rechts ab und führt durch das Meerbachtal zur Schnatzenmühle. Um diese wandern wir fast ganz herum und folgen dem Pfad hinauf zum Wüstenhof (Montag Ruhetag). Nach rund 3 ½ Stunden haben wir uns eine Stärkung auf der Gartenterrasse verdient. Bei einem kühlen Getränk schweift der Blick hinab ins Rheintal. Selbst Goethe war hier bereits zu Gast und soll –so die Geschichte- hier sein „Heideröslein“ gedichtet haben.

An der Hangkante entlang gelangen wir wieder ins Meerbachtal und wandern bachparallel nach Vallendar. An der Kneipp-Kuranlage und der dreischiffigen Pfarrkirche St. Marcellinus und Petrus vorbei geht’s die Kirchstraße hinunter zum Rathausplatz mit seinen zahlreichen Fachwerkhäusern. Nach Querung der Nepomuk-Brücke verlassen wir Vallendar durch die Straße „Am Gilgenborn“. Hier geht’s wieder bergauf zur Theologischen Hochschule und dann ins Wambachtal. Vorbei am Bischofsbour. An dieser Stelle soll- so die Sage- ein Bischof nach erfolgloser Jagd gotteslästerlich geflucht haben und mit seinem Pferd in einer Erdspalte versunken sein. Gleich darauf tat sich ein sprudelnder Quell auf.

Durch Wald und Flur erreichen wir Mallendarerberg. Wir passieren das dortige Freibad, die Tennisplätze und wandern über landwirtschaftliche Wege zum Kammrädchen in Urbar. Von hier geht’s per Bus wieder retour (Busse der RMV verkehren im Stundentakt nach Koblenz Hbf.) oder wir wandern weiter bis zur Festung Ehrenbreitstein, die wir nach weiteren 2 Kilometern erreichen.

Eine rund 6 stündige, anspruchsvolle Wanderung liegt hinter uns. Sie macht Appetit auf mehr, nämlich auf eine Tour über den gesamten 320 Kilometer-langen Rheinsteig, der Erlebniswandern vor der Haustür schaffen und zugleich Magnet für nationale und internationale Wandergäste sein soll. Schnüren auch Sie einmal die Wanderschuhe. Der Rheinsteig ist wunderbar wanderbar. Und er ist anspruchsvoll. Schweißtreibende Höhenunterschiede sind Herausforderung und Genuss zugleich. Abwechslungsreiche Landschaften und immer neue Ausblicke sind der Mühe Lohn. Die engmaschige Wegemarkierung ist perfekt, zahlreiche Bänke entlang der Strecke laden zum Ausruhen, zahlreiche Gaststätten zum Einkehren ein.



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Weitere Informationen erhalten Sie auf der offiziellen Seite des Rheinsteigs.
www.rheinsteig.de